Das Dorf als Leinwand – Countdown zum ersten Workshop in Willingshausen am letzten Augustwochende

30-07-2023 | Im Zug der Aktivitäten zur Weiterentwicklung der Malschule Willingshausen hat sich im Frühjahr 2023 die Initiative Jugend-Kunstschule Willingshausen zusammengefunden. Als erstes Feld zur Weiterentwicklung der Malschule ist mit „Das Dor als Leinwand“ ein weitreichendes Konzept für eine Workkshop-Reihe entwickelt worden. In je dreitägigen Kompaktkursen gestalten unter Anleitung von ausgebildeten Künstlern, die ab sofort für die Malschule Willingshausen Kurse mit anbieten, jüngere und auch ältere Interessierte Tore und Wandfläche im Ort.

Kerngedanke des Konzepts ist dabei, dass Ortsbewohner – anders als zu Zeiten der vormaligen Malerkolonie die angereisten akademisch ausgebildeten Maler – selbst kreativ und künstlerisch gestaltend tätig werden und dabei das Dorf als ihren Lebensraum (um-)gestalten und damit verändernd ästhetisch in das Ortsbild eingreifen. Das Dorf mit umgebender Landschaft, Häusern und Höfen und darin lebenden Menschen bleibt nicht mehr nur Gegenstand und Objekt von Darstellungen in Kunstwerken und Gemälden. Vielmehr und grundlegend anders betätigen sich Ortsbewohner als kreative Subjekte und werden künstlerisch tätig.

Beispiel einer künstlerisch-kreativen Wandgestaltung im Schillerviertel in Kassel. Eine triste Gebäudewand am Straßenrand wurde mit einer Wandbemalung zum farbenfrohen Hingucker. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Möglichkeiten dafür gibt es viele in Willingshausen. Ob Hoftore, triste Wände von Hallen oder Garagentore, in vielen Straßen der historischen Ortslage bieten sich den Augen von Passanten triste Anblicke. „Das Dorf als Leinwand“ will hier tätig werden. Dazu gehört es zunächst mit Liegenschaftseigentümer Kontakt aufzunehmen und ein Angebot zur neuen kreative Gestaltung ihrer Fläche an Scheune, Haus oder tor vorzuschlagen. Wird Einigung darüber erzielt, kann eine Vereinbarung dazu getroffen werden und es kann zu einem verabredeten Zeitpunkt losgehen.

Antrag zur Finanzierung wurde gestellt und Projekt wird vom Fonds Soziokultur gefördert

Doch zunächst war für das weitreichende Projekt „Das Dorf als Leinwand“ eine finanzielle Grundlage zu schaffen. Eine Grundregel dabei ist, dass Künstler gewonnen und engagiert werden, die für die inhaltliche Gestaltung und handwerklich-kreative Umsetzung tätig werden. Kunst braucht Brot und Künstler wollen ordentlich bezahlt werden. Hinzu kommen Materialkosten, Gerätemieten und Auwendungen für Administration, eventuelle Genehmigungen für Straßensperrung, und die Gesamtorganisation. Angesichts von fünf oder sechs geplanten je dreitägien Workshops kommt ein fünfstelliger Betrag zusammen. Daher wurde ein Förderantrag beim Fond Sozikultur in Bonn gestellt. Am 1. Juli ist die hocherfreuliche Naxchricht gekommen, dass das Projekt in Willingshausen mit einer Zahl weiterer Anträge vom Kuratorium ausgewählt wurde. Mit einer Förderquote von 77 Prozent ist damit der Hauptteil der Kosten finanziert, weitere Förderer und Sponsoren sind angefragt und deren Gelder werden einbezogen.

In vielen Städten, insbesondere Großstädten gehören Graffitos seiten langem zum Erscheinungsbild. Das Bild zeigt gestaltete Tore einer Garagenanlage in einem Innnehof in Kassel. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Elke Anders bereitet den ersten Workshop vor

Es ist nicht schwer gefallen die in Morschen lebende Künstler Elke Anders für das Projekt zu interessieren und zu gewinnen. Nach Gesprächen zur Abstimmung ist sie jetzt vorbereitend tätig und kommt am Feitag, 25. August für drei Tage nach Willingshausen. Zugleich gibt es einige Interessierte, die mit einsteigen und mit Pinsel und Farbe tätig werden wollen. Die Eigentümerin einer Scheune im Ortskern zeigt sich aufgeschlossen und war begeistert von dem vorgeschlagenen Motiv was für den straßenseitigen Wandbereich ihrer Scheune vorgeschlagen ist. Darüber gibt es keine öffentlichen Informationen vorab, schließlich soll und darf eine gewisse Spannung vorher bleiben.

Wer sich ein Eindruck zu Gestaltungsmöglichkeiten vorab haben möchte, findet dazu Fotos in einem Artikel in Kultur Willingshausen. Dort wurden Hauswände mittels Fotomontagen umgestaltet. Diese freien Montagen sind freilich keine Vorbilder für das anlaufende Projekt. Los geht es am Freitagmittag mit ein kurzen Dorfrundgang. Zum Kennerleren findet danach eine Gesprächsrunde mit Kaffeetafel auf dem Dorfplatz statt. Anschließend kommen für zwei Stunden Pinsel und Farben erstmals zum Einsatz. Am Samstag geht es weiter und sollen die Malerarbeiten von den Projektaktiven abgeschlossen werden. Damit bleibt am Sonntagvormittag Zeit für eine Schlussrunde samt mögichen Retuschen an dem großformatigen Bild. Ab 11 uhr sind Nachbarn zu einem Brunch eingeldaden, der wieder auf dem Dorfplatz stattfinden wird.

In Willingshausen mangelt es nicht an „Vorbildern“ als Anregungen, schließlich haben zahlreiche Maler in den Zeiten der historischen Malerkolonie bis zum Ersten Weltkrieg ungezählte Zeichnungen und Gemälde geschafffen. In den 1950er und 1960er Jahren hart dann der seit 1948 im Ort lebende Künstler Günter Heinemann sich einen Ruf als excellenter Künstler für Wandgestaltungen geschaffen. Die Traufseite vormaligen Gaststätte in der Ortsmitte und Giebelwand der Grundschule geben Zeugnis dafür ab. Künstlerische Wandgestaltunge sind also keine Neuland in Willingshausen – das Tätigwerden von Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen als Einwohner wird jetzt besonderes Merkmal dieser beginnenenden innovativen Workshop-Reihe.

Wandgestaltung im Rahmen der Malschule Willingshausen hat es bisher nicht gegeben. Die lange Front der Schaufensters der Neustädter Sieben zieren allerdings seit Sommer 2021 während der Malkurse Arbeiten von Kursteilnehmer/innen. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Hintergrundinfo zur Malschule Willingshausen 2024

Zwei Workshops im Rahmen von „Das Dorf als Leinwand“ finden in diesem Jahr statt. Eine Zahl entsprechender Kreativkurse wird dann in 2024 anschließen. Die Workshops sind auf jeweils drei Tage festgelegt. Nach Elke Anders Ende August wird der in Marburg in seinem Atelier im Schwanhof seit vielen Jahren arbeitende Künstler Jan Luke am ersten Okotberwochenende angehen. Beide Künstler haben an der Kunsthochschule Kassel studiert und bieten mit ihrer unmittelbaren künstlerischen Tätigkeit Seminare und Kurse für Interessierte in eigenen Räumen an. Elke Anders und Jan Luke sind die beiden ersten neuen Künstler als Dozenten der Maschule Willingshausen. Das abgestimmte Jahresprogramm für 2024 wird hier in Kürze veröffentlicht. Auch Ulrike Schulte aus Bremen bietet im Mai und September 2024 erneut ihre je zweiwöchigen Kurse an.

Das Foto ganz oben und klein rechts mit dem bunt werdenden landwirtschaftlichen Blechfass ist bei der Straßen-Malaktion der Kultur-Initiative Willingshausen (KiWi) zur „Kunstmeile Willingshausen“ am 1. Juli  2023 entstanden. Wie dort zu erleben war, ist Willingshausen Kunst@Kultur anders seitens verschiedener unabhängiger Akteure und Anbieter inzwischen längst dabei Wirklichkeit zu werden und beginnt das Kulturleben des Ortes zu bereichern.

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